Zwischen Dschungel, Traumstränden und Segelromantik

Unser ganz anderes Weihnachtserlebnis unter Segeln.

In diesem Jahr haben wir uns entschieden, Weihnachten auf eine besondere Art zu verbringen: mit einer Segelreise von Costa Rica nach Panama entlang der pazifischen Küste Mittelamerikas an Bord des Segel-Kreuzfahrtschiffs Star Clipper. Diese Route bot uns eine seltene Gelegenheit, großflächiges Segeln in der Praxis zu erleben.

Die Star Clipper wurde 1992 in Belgien gebaut und ist eine viermastige Schonerbarkentine. Sie gehört nicht zur Kategorie klassischer Kreuzfahrtschiffe, sondern ist als moderner Windjammer konzipiert, bei dem das Segeln im Mittelpunkt steht. Mit einer Länge von rund 115 Metern, einer maximalen Kapazität von etwa 170 Passagieren und einer Crew von rund 70 Personen bleibt das Schiff trotz seiner Größe überschaubar. Während unserer Reise waren etwa 85 Gäste an Bord, was zu einer ruhigen und persönlichen Atmosphäre beitrug.

Besonders beeindruckend ist die Segelfläche von über 3.300 Quadratmetern bei vollständig gesetzten Segeln, die es der Star Clipper erlaubt, bei geeigneten Windverhältnissen unter Segel schneller zu laufen als unter Maschine. Um den Törn planmässig durchzuführen, war allerdings auf unserer Fahrt unter den Windbedingungen auf dem Pazifik die Maschine immer im Einsatz. Über Nacht waren wir immer auf Fahrt,  immer auch unter Segel. Dieses Segeln war kein symbolisches Beiwerk, sondern gelebter Bordalltag, fester Bestandteil des Tages war das Setzen der Segel bei Sonnenuntergang, begleitet von Musik. Ein Ritual, das Technik, Tradition und Emotion auf besondere Weise verband. Am Morgen erreichten wir jeweils neue Etappenziele entlang der pazifischen Küste: Marinas, Nationalparks, tropischer Regenwald an geschützten Buchten und naturbelassene Strände, die für große Kreuzfahrtschiffe nicht zugänglich sind. Die Ansteuerung dieser Orte unter Segeln und die Ankermanöver eines Windjammers verliehen der Reise echten maritimen Charakter. Einer der Höhepunkte für uns war, als die Passagiere in die Tender-Boote ausgeschifft wurden, der Kapitän alle Segel setzen ließ und wir das Schiff unter vollen Segeln aus der Distanz bewundern konnten.  

Als Passgier konnte man sich auch aktiv am Segelbetrieb beteiligen, obwohl das natürlich nicht nötig war. Wir hatten mehrfach die Möglichkeit, beim Setzen der Segel “zu helfen”. Wenn sich genug Passagiere auf Deck eingefunden hatten, konnten wir das Grosstagsegel von Hand setzen. Waren der Anker oben und die Segel gesetzt, verließ der Kapitän die Brücke und man konnte unter Aufsicht sogar das Steuer übernehmen und den vorgegebenen Kurz steuern bzw. ändern. Es war schon sehr spannend, die Abläufe an Bord eines Großseglers mitzuerleben und mit dem Bordleben auf einer typischen Charteryacht zu vergleichen. Besonders das Steuerverhalten eines 115m langen Viermasters unter Segeln war gewöhnungsbedürftig. Es fehlte unmittelbares Feedback auf den Rudereinschlag, das Schiff musste nach einer Kurskorrektur immer wieder ausbalanciert werden. 

Weiterhin gab es für die Segelinteressierten die Capt’n Story Time, wo er spannende Hintergründe aus der Segelhistorie zum Besten gab. Für Segler vielleicht nicht ganz so spannend, aber trotzdem sehr interessant war der Einblick in die Technik an Bord und eine Maschinenraumtour mit dem Chief-Engineer.

Neben der ganzen Seemannschaft wurden den Passagiere tagsüber jede Menge an Aktivitäten geboten, Landausflüge in die jeweiligen Naturparks vor Ort mit Tierbeobachtungen, Bootsausflüge mit Delphinbeobachtung, Kayaktouren durch Mangroven und in den Buchten, in denen wir geankert haben, Schnorcheltouren zu sehr fischreichen Riffen und weitere Strandaktivitäten wie Beachvolleyball, Stand-Up Paddling usw. Teilweise hatten wir echt Stress, die ganzen Angebote zeitlich auf die Reihe zu kriegen, Freizeitstress sozusagen.

Abgerundet wurde die Reise durch eine sehr professionelle und aufmerksame Service-Crew sowie durch den Austausch mit Mitreisenden aus 8 verschiedenen Ländern. Auch die Bordverpflegung ließ keine Wünsche offen – wenn man das wollte, gab es fast 24h-Vollverpflegung vom super Frühstück über einmal sogar Barbeque am Strand bis hin zu den festlichen Weihnachts-Galadinner am 24. und 25. Dezember, quasi ein 5-Sterne Hotel unter Segel.

Dieser Törn war für uns eine außergewöhnliche Kombination aus Windjammer-Segeln, nautischer Tradition, entspanntem Bordleben und spannenden Landausflügen. Ein Weihnachtserlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Mimi & Dirk

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